WEISSES HAUS
Ich habevor einger Zeit mal in lockerer Folge ein paar Restaurantkritiken gestartet. Die möchte ich dem geneigten Blog-leser natürlich nicht vorenthalten…
Am 9.12.2006 waren im “Weissen Haus” in Neuss.

Natürlich schaut man sich in diesen modernen Zeiten erstmal nach einer Webseite um.
Und siehe da, es gibt eine! Allerdings verursachte der Einstiegstext bei mir leichtes Stirnrunzeln.
Die sind aber lustig drauf
Das kann ja was werden…
Hier gleich mal ein Auszug aus deren Internetpräsenz
Liebe Gäste,recht guten Appetit möchten wir Ihnen als erstes wünschen und weiterhin, dass Sie sich im „Weissen Haus“ wohlfühlen.
Warten Sie nicht bis Sie jemand bemerkt, machen Sie „Pssst“,winken Sie, schnalzen Sie mit den Fingern oder brüllen Sie.
Sie werden sich eher einen Bruch der Augenbrauen zuziehen – als dass jemand Ihr Blinzeln bemerkt.
Lassen Sie sich von uns beraten:
Verlangen Sie nicht Schweinebraten mit Erbsen und Mören – das bekommen Sie zu Hause besser.
Probieren Sie unsere Hausspezialitäten !
An der Bar servieren wir Ihnen alle Arten von Getränken (manchmal)
Trinken Sie einheimische Schnäpse wie:
Wodka, Whisky, Cognac, Grappa oder Mai Tai (denn das ausländische Zeug ist sauteuer)
Viel Spaß !
Der erste Eindruck
Wenn man noch nie hier war, ist die Kulisse des Gebäudes, wenn man darauf zuläuft, imposant.
Wirkt von außen gehobener, als es sich beim Betreten tatsächlich zeigt.
Die Küche / Speisekarte
Die Speisekarte vermittelt oberflächlich betrachtet eine mediterane Küche.
Die auf Tafeln angebotenen Tagesgerichte wie Gänsebraten und Baueromelette passen irgendwie nicht zum Konzept.
Wir hatten:
Getränke:
Eine 0,75 L Flasche Pelegrino 4,50 €
Ein Glas Grauburgunder 2,80 €
Vorspeisen:
Suppenpärchen 4,80€
Antipasti 9,80 €
Hauptgerichte:
Salatteller “Weisses Haus” 13,80 €
Gänsebraten 16,80 €
Der Wein war gut
Kleiner Stilbruch zum Pelegrino: Es gab dazu zwei Gläser mit dem Aufdruck “Selters”
Die Suppen waren bis auf etwas zu viel Salz recht lecker.
Alledings wurden die Suppen in ganz normalen Kaffeetassen auf einer großen Papiermanschette auf einem großen Essteller serviert. Die Bedienung hat wohl etwas gewackelt, sodass beide Tassen überliefen. Das sah nicht sehr ansprechend aus.
Die Antipasti waren reichlich und gut. Es gab warme Pulpos, eine gegrillte Riesengarnele, Schrimps, Lachs, Schinken, getrocknete Tomaten, Auberginen, Zuchini, Rucola, Parmesan und Carpaccio. Hört sich super an für den Preis. Wermutstropfen: Das Carpaccio bedeckte den Tellerboden und alles andere lag oben drauf und hat mit seinem jeweiligen Eigengeschmack das Carpaccio überdeckt. Schade drum.
Die Portion Gänsebraten war mehr als reichlich. Der Teller war zu klein für diese gut gemeinte Menge. Orangenrotkohl klang nach etwas besonderem, geschmacklich konnte aber kein Unterschied zu normaler Dosenware festgestellt werden. Zudem war der Garpunkt vom Rotkohl leider bei weitem überschritten. Das Fleisch (Brust und Keule) war saftig, liess sich leicht vom Knochen lösen, geschmacklich gut. Das Fleisch war jedoch von Soße komplett bedeckt, die jede Hoffnung auf knusprige Stücke zunichte machte. Die Soße war angerichtet mit Kastanien, Traubenhälften und Cranberries. Die Früchte kamen wohl erst kurz vor dem Servieren hinzu, sodass leider mit den Früchten geschmacklich auf die Soße kein Einfluss genommen wurde. Die Knödel schmeckten leider wie angerührte Massenfertigware aus dem Aldi. Sehr lecker war der Marzipanapfel, leider viel zu wenig (eine dünne Scheibe Apfel überbacken mit Marzipan und Rosinen)
Der Salatteller „Weisses Haus“ bestand aus gemischtem Salat in Vinaigrette, reichhaltig belegt mit, Scampi, Flußkrebsen, Streifen vom Rinderfilet und Pfifferlingen. Der Fleischanteil war außergewöhnlich hoch. Schätzungweise weit mehr als 200 Gramm. Auch mit den Flußkrebsen wurde nicht gegeizt. Beruhigend war auch, dass nicht vorgefertigter Salat aus dem Großmarkt benutzt wurde, sonder in derr Küche frisch zubereitet. Das Fleisch war außen knusprig gebraten und innen zart. Wirklich von hoher Qualität. Einer der besten Salate, die ich je in einem Restaurant gegessen habe.
Die Atmospähre / Das Ambiente
Man ist bemüht, modern und schick zu sein.

Die Sessel sehen unbequemer aus als sie tatsächlich sind.
Zum Gesamteindruck passen leider die einlaminierten, billig wirkenden und abgegriffenen Getränkekarten ebenso wenig wie die beim Blättern auseinanderfallende Speisekarte. Das Geschirr der Vorspeisen (billige Kaufhallenware mit buntem, geschmacklosen Rand) stand in krassem Gegensatz zu den wirklich edel wirkenden rechteckigen, rein weißen Geschirr für die Hauptspeisen.
Das Personal
Anfangs sehr nett und hilfsbereit. Wir waren auch schon um 19:00 da.
Das Restaurant war um diese Zeit auch nur zu ca. 30% besetzt.
Je voller es wurde, desto hektischer wurde der Service. Das gipfelte dann in einer laut zerberstenden Rotweinflasche auf dem Steinboden. Naja, Scherben bringen Glück
Dadurch wurde die 5 minütige Wartezeit auf das Brot zu meinem Salat um weitere 10 Minuten verlängert…
Als das Restaurant dann um 20:00 voll war, war der Service schlichtweg überfordert. Eine Servicekraft mehr hätte hier für deutliche Entspannung gesorgt. Wie sowas zu finanzieren ist, liegt in der Hand des Chefs.
Bei aller Hektik blieb der Service immer freundlich. Das ist in den heutigen Zeiten durchaus erwähnenswert.
Die sanitären Anlagen
Einfach und zweckmäßig. Die Verschmutzung im Waschbeckenbereich war wohl dem Andrang zuzuschreiben.
Resümee
Alles sehr bemüht. Von Gleichgültigkeit keine Spur. Muss man allerdings nicht zu seiner Stammkneipe machen.
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